Review: Saitek Multi Panel
In der Sommerflaute und Wirtschaftskrise wagte der Hardwareriese Saitek die Flucht nach vorn und brachte gleich zwei neue Flight Simulator Panels auf den Markt: Das Radio Panel, welches wir uns am 15. Dezember bereits näher angesehen haben, und das Multi Panel. Warum Multi Panel? Nun, hauptsächlich handelt es sich bei dem neuesten Erzeugnis aus der Saitek Kreativwerkstatt um ein Autopilot Panel. Multifunktionell wird es aber durch einen Klappenhebel, einen Schalter für die automatische Schubsteuerung und ein Trimmrad für die Höhenrudertrimmung. Leider hat Saitek seinen Standard, den es mit dem Radio Panel für Hardware der unteren Preisklasse gelegt hat, nicht ganz halten können. Wo es hakt, und ob das Panel einiges wett macht, erfahrt ihr in folgenden Ausführungen.
Kauf und Lieferung
Auch die Preisspanne des Multi Panels ist breit. So kann man bei Angeboten zwischen 80 und 130 Euro bei der Wahl des richtigen Shops über 40 Prozent sparen.
Wie immer kommen mit dem Panel auch eine Treiber-CD, die Plastikschiene für die Fixierung am Yoke und Schrauben, sowie Klettstreifen. Das kleine Quickstart-Manual deckt wie immer alle Grundfragen ab. Für spezifische Fragen und Probleme muss sich der Simmer jedoch im englischen Saitek Forum anmelden und dort nach Rat suchen.

Die Hardware und deren Bedienung
Durch eine kleine Anekdote bin ich darauf aufmerksam geworden, dass das Multi Panel kurioserweise zwar identisch mit der Größe der anderen Panels zu sein scheint, es aber nicht ist. Es ist nämlich einen ganzen Millimeter höher. Diese Information mag nicht wirklich sinnvoll für den „Normalnutzer“ des Panels klingen, ist es aber für alle, die das Panel irgendwo einbauen möchten. Unser Team musste ein Multi Panel bereits fürchterlich misshandeln, um es passend für ein Loch in einer Plexiglasplatte zu machen, welches eigentlich die Standard-Saitek-Panelmaße hatte. Also: Messt genau ab!
Da mir in meiner letzten Review, als ich das Radio Panel als „Bendix-Kompromiss“ darstellte, heftig von einem Leser widersprochen wurde, möchte ich diesen Begriff nun tunlichst vermeiden. Statt dessen darf ich sagen, dass Piloten, die sicher mit der Standard FSX Cessna umgehen können, sich bei dem Panel sicherlich ganz zu Hause fühlen werden. Doch kommen wir nun zur Handhabung der Hardware.

Bei dem Multi Panel fällt auf, dass die gleichen Hardwarekomponenten wie für das Radio Panel verwendet wurden. Und leider beginnen hier bereits meine Kritikpunkte. Der schwarze Plastikdrehknopf auf der linken Seite, mit dem der Pilot zwischen den einzelnen Autopilotenfunktionen umschalten kann, ist auch in diesem Modell sehr schwergängig und deshalb unhandlich. Den rechten silbernen Drehknopf für die Einstellungen der Werte auf dem Display kann ich nicht nachvollziehen. Offensichtlich handelt es sich hier um den baugleichen Doppelknopf, wie er im Radio Panel verwendet wurde. Allerdings wurden hier beide Komponenten des Knopfes aneinander fixiert, lassen sich also nicht getrennt voneinander drehen. Ob hier Entwicklungskosten gespart werden sollten, indem man einfach wieder den selben Knopf verwendet, oder tatsächlich das Design (koste es, was es wolle) dem Radio Panel angepasst wurde, kann wohl nur Saitek beantworten. Fakt ist leider, dass sich der Knopf nur ungenügend für eine vernünftige Einstellung der Werte auf dem Display eignet. Zum einen ist er - wie auch schon seine Geschwister auf dem Radio Panel, extrem empfindlich, was leider ein exaktes Einstellen (z.B. des Headings) sehr erschwert. Darüber hinaus gibt es keine Möglichkeit, das Ändern der Flughöhe zu beschleunigen. Der Knopf läuft stur mit 100ft Schritten: So dauert das Einstellen von FL370 eine halbe Ewigkeit.

Kommen wir nun zum Auto Throttle Switch. Hier wurde ein schicker, massiver Metallschalter eingebaut. Funktionieren tut er auch, so dass ich hier keine Einwände habe. Unterhalb des Auto Throttles befindet sich der Klappenhebel, welchen wir an den anderen Panels vermisst haben. So komplettiert er die Steuerungsperipherie für z.B. die Standard Cessna im FS.
Bei echten GA Flugzeugen, die elektrische Klappen besitzen, werden diese stufenlos über das Gedrückthalten des Schalters ausgefahren. Saitek hat es sich hier einfach gemacht und den Hebel nicht als Joystickachse für das stufenlose Ausfahren umgesetzt, sondern als eine Art Kippschalter, der durch einmaliges oder mehrmaliges Wippen die Klappen in vordefinierte Stufen fährt. Da aber Airliner ebenfalls über vordefinierte Klappenstufen geflogen werden, soll dies kein Grund zur Kritik sein. Ganz rechts am Panel befindet sich das Trimmrad für das Höhenruder. Es ist aus Plastik und lässt sich unlimitiert drehen – super, so soll das sein!
In meinen Tests hat es funktioniert. Auffällig ist aber, dass es im Gegensatz zu den Drehknöpfen nicht sehr empfindlich ist. Dies gewährleistet einerseits ein extrem exaktes Trimmen, andererseits trimmt sich der Pilot von motorstarken Props aber auch schnell mal den Arm ab. Die Sensitivität ist aber Empfindungssache, weshalb ich sie nicht weiter werten möchte.

Kommen wir nun zu den Buttons des Autopiloten. Die Knöpfe sind vollständig vorhanden und können also mit allen Flugzeugtypen verwendet werden. Ein tolles Feature ist, dass alle Knöpfe im aktiven Modus orange bzw. weiß leuchten.
Die Software
Über die Software-CD werden wichtige Treiber installiert, ohne die das Panel nicht funktionieren würde. Es werden keine weiteren Konfigurationsarbeiten benötigt, das Panel findel also allein die Funktionen im FS. Bei den Tests auf meinem Testrechner hatte ich (mit den Standardflugzeugen) keine Probleme. Das Panel funktionierte hier einwandfrei. Auf einem der drei weiteren, von mir betriebenen Testrechner traten aber Probleme auf. Großteils funktionierte die Software zwar einwandfrei, allerdings traten bei ungefähr jedem zehnten Flug Komplikationen auf. Diese äußerten sich zum Beispiel in dem Einfrieren des Autopilot Hauptschalters. Im FS funktionierte er zwar noch und ließ sich ein- und ausschalten, allerdings ging das Licht im deaktivierten Modus am Multi Panel nicht mehr aus. Ähnliche Probleme traten auch mit dem Vertical Speed Schalter auf. Zum Glück waren dies alles nur Schönheitsfehler. Eingriffe in den Flugbetrieb (wie nicht funktionierende Schalter) hatte ich aber keine zu verzeichnen.
Leider gibt es im Supportforum von Saitek aber einige Meldungen von gerade diesen Problemen. Einige Simpiloten haben Probleme mit der Höhe im APP Modus, wiederum andere beklagen sich über regelmäßiges Abstürzen des gesamten Panels. Wie häufig diese Probleme bei Usern auftreten, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Das Supportforum zeugt lediglich davon, dass sie auftreten. Super ist aber, dass Saitek sich dieser Probleme annimmt und laut dem Support ernsthaft an Hotfixes arbeitet.
Add-ons und andere Hardware
Auch das Multi Panel funktioniert sowohl im FS9, als auch im FSX. Dies bedeutet, dass es sowohl Simconnect, als auch FSUIPC anspricht. Deshalb kann man im Grunde genommen sagen, dass alle Add-ons, deren Gauges sauber über FSUIPC oder Simconnect konferieren, auch mit dem Panel funktionieren. Die Frage, ob ein Add-on funktioniert, sollte also in diesem Falle nicht an Saitek, sondern an die Programmierer des jeweiligen Add-ons gestellt werden.
Leider ist das Thema Add-ons aber damit nicht beendet. PMDG & Co. funktionieren nämlich nicht. Hierzu möchte ich den Saitek Support im Forum zitieren:
„We're trying to find out why this seems to be occurring because there's no reason why it should. All we do is make the panel work with SimConnect so it appears that the payware aircraft aren't linking up with SimConnect in the way that the default aircraft do. We're in touch with them though and as soon as we can work out a solution we'll let you know.”
Was also in Zukunft geschehen soll, bleibt abzuwarten.
Im Forum gibt es aber bereits diverse Threads, in denen fleißig aufgelistet wird, mit welchen Add-ons das Panel funktioniert.
http://www.saitekforum.com/showthread.php?t=17606
http://www.saitekforum.com/showthread.php?t=17527
Der Test mit den anderen Hardwarekomponenten von Saitek hingegen fiel, wie auch schon in den vorhergehenden Reviews angemerkt, ausgezeichnet aus. Obwohl zum Teil komplexe Abläufe stattfinden, stören sich die einzelnen Instrumente nie und verbrauchen auch parallel betrieben nur einen fairen Prozentsatz an Arbeitsspeicher und Prozessorleistung. Mit meinem System aus einem 3.3 GHz Q6700 Quad Core, 4 MB RAM und einer GeForce 8800GTS Grafikkarte habe ich bei angeschlossenem Saitek Yoke und Throttle, Pedalen, Multi-, Radio-, und Instrument Panel keine Performanceveränderungen beobachten können. Dem Heimcockpit von Saitek steht also rein performancetechnisch nichts im Wege! Wie das Radio Panel mit Gamecontrollern der Konkurrenz agiert, wurde nicht getestet.

Fazit
Zusammenfassend steht das Multi Panel von Saitek auf der Leistungsebene tiefer als das Schwestergerät Radio Panel. Auch wenn es ähnlich anmutet, gibt es geringe Abstriche in der B-Note durch unhandlich zu bedienende Drehknöpfe, sowie ernstere Minuspunkte in wichtigen Aspekten der Funktionalität. Wo ich beim Radio Panel sagen konnte, dass der Flusianer hier getrost ein vollkommen funktionierendes Panel kauft, kann ich ein solches Feedback beim Multi Panel nicht mehr geben. Durch diverse auftretende Probleme mit der Software, hat das Panel keine reine Weste. Allerdings kann man hier entschuldigend sagen, dass niemand einschätzen kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines solchen Fehlers ist. Schließlich haben sich im Supportforum lediglich ein Duzend Simmer mit Fehlern gemeldet, was ja bei einer Verkaufszahl von vielen tausend Produkten weltweit nichts heißen soll. Ob die Fehler also mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1000 auftreten, oder die Dunkelziffer viel höher ist, steht zur Debatte.
Um zu einem Schluss zu kommen: Wie sich bereits durch meine obrigen Ausführungen ergeben hat, schließt das Panel nicht mit voller Punktzahl ab. Ein wichtiger Punkt, der von Amateuren gern vergessen wird, ist das Preis-Leistungsverhältnis. Das Panel mag weder das hübscheste, noch das realistischste auf dem Markt sein, aber dafür das kostengünstigste. Hierbei unterschreitet Saitek die Autopiloten-Preisschwelle nicht nur um ein paar Euro, sondern um mehr als die Hälfte. Finanziell schlechter gestellte Piloten sind also in der Lage, sich für 80 Euro eine AP-Hardware zu leisten, die sie normalerweise unter 200 Euro nirgends bekommen würden.
Wer also glücklich über jeden echten Schalter und bereit ist, sich an gewisse Kniffe bei der Bedienung zu gewöhnen, um kein Vermögen für einen Autopiloten ausgeben zu müssen, sollte getrost – und hiermit informiert – zugreifen.
Um die Meinung des FS.com Reviewerkollegen zu zitieren:
"Wenn ich mir die Verarbeitung anschaue, ist der Preis immer noch hoch genug (eine Ausnahme i.S. Preisleistung ist das Switch-Panel). Andernfalls denke ich, dass ohne erhebliche Mehrkosten das Design etwas authentischer und nicht so überdimensioniert daherkommen könnte. Gerade da diese Szene so ein Hochpreisniveau hat, gefiel mir die Gegenstrategie des Riesen Saitek von preiswerter, universeller "Haushaltshardware"."
Simmer mit höheren Erwartungen sollten sich, um glücklich zu werden, aber auch an entsprechend höheren Preisklassen orientieren.
Sabine Schubert für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 22.12.2009 | Counter: 2571 Besucher
| Super review! Denke darüber nach, es mir zuzulegen!:) ach ja, eines ist mir aufgefallen, ich hab gar nicht gewusst das es Rechner mit nur 4 Megabyte RAM gibt;) |