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Review: Saitek Pro Flight Instrument Panel

 

Mit dem wachsenden Markt für Computer und Internettechnologie boomt nicht zuletzt auch die Nachfrage nach Eingabegeräten - so auch in der Flugsimulation. Jeder von uns hat wohl schon einmal über ein eigenes (kleines) Cockpit nachgedacht und wohl zumeist wieder verworfen, weil die damit verbundenen Kosten entweder unvertretbar sind oder Mittel im Privathaushalt nicht für ein Hobby wie dieses zur Verfügung stehen. Auch wir von Flugsimulation.com beobachten einen immer interessanter werdenden Markt - nicht zuletzt seit dem Einstieg der Firmen Saitek und VR-Insight in den harten Kern der Flugsimulation. Die Peripheriegeräte werden immer kostengünstiger und spezifischer, sodass ein eigenes kleines Cockpit von dem Preis eines Neuwagens in immer nähere Reichweite rückt. Saitek machte mit ihrem Instrument Panel einen weiteren, fundamentalen Schritt in dieser Entwicklung, auch wenn die Umsetzung eines solchen Panels eine große Diskussion los tritt. Ich scheue diese Diskussion nicht und lade euch hierzu in den Ausführungen der Review ein.

Kauf, Einrichtung und Installation
Wie bei einem Großteil der Saitek Produkte ist auch das Instrument Panel auf der Herstellerwebsite um einiges teurer als bei anderen Shops. So kostet das Display im Saitek-eigenen Shop geschlagene 150 Euro, während es andere Onlineshops bereits ab 100 Euro anbieten.
Der Lieferumfang der kleinen Kiste beläuft sich auf das Instrument samt einem Plastikgestell zur Fixierung am PF Yoke, einem Standard-USB Kabel, passenden Schräubchen Panel (mit Gummischoner - Respekt!) und einem niedlichen Poliertuch für die Putzteufel unter uns. Auch eine Software-CD und ein relativ dickes Manual ist enthalten, doch dazu später mehr. Selbstverständlich hat die für Verpackungstechnologie angestellte Firma wieder ganze Arbeit geleistet und alle Bauteile bombensicher in die Kiste gepackt.

Bei der Materialqualität hat sich Saitek aus seiner persönlichen Krise gerettet und meldet sich zurück im Design-Rampenlicht zwischen Apple und Audi! Der kleine LCD-Monitor mit seiner spiegelglatten Hochglanzoberfläche und den eingelassenen Knöpfen sieht für uns Liebhaber des Hochmodernen diskussionsfrei rattenscharf aus und schlägt die Konkurrenz mit ihren improvisierten Computermonitoren im Schlaf! Die Plastikoberfläche ist verspiegelt, jedoch ist das Display darunter so lichtstark, dass ich bisher auch bei Gegenlicht nie Probleme beim Ablesen der Instrumente hatte.

Die Einrichtung des Instrument Panels ist selbsterklärend. Die nötige Software befindet sich auf einer beigelegten Minidisc und mit dem Einstecken eines USB Steckers sollte wohl niemand überfordert sein.
Das Panel hat die Größe, dass drei seiner Art nebeneinander geschraubt auf den Saitek Yoke passen. Auch hier muss ich wieder die Kinderkrankheit des unterernährtem Befestigungsmechanismus kritisieren: Das Plastikgerüst ist viel zu weich und gibt bei der Bedienung nach hinten nach, wodurch besonders an den Schrauben der Verschleiß der Plastik hoch ist.


Da aber nicht wirklich massive Schalter umzulegen sind, dürfte hier dieses Thema wohl weniger akut sein als beim Vorgänger Switchpanel, sowie den folgenden Panels (Radio-, Multi-).
Aus diesem Grunde ist auch ein einfacher Metallbügel für das kleine Display genug, um es auf den Tisch zu stellen, wenn man nicht mit dem Yoke fliegt.


Das beigelegte Manual ist beeindrucken dick! Aber nicht, weil es beeindruckend viele Informationen beinhaltet, sondern beeindruckend viele Sprachen spricht! ;-) Das Handbuch deckt wohl alles an lingualen Auswüchsen ab, was ich in einer Nacht träumen könnte. Spaß bei Seite - der Umfang des Manuals ist aber gut bis sehr gut. Es deckt alle Fragen ab, die aufkommen könnten, und erklärt die Funktionsweise des Panels kompetent und idiotensicher.

Bedienung
Sobald das Panel angeschlossen ist, leuchtet das Display und es werden standardmäßig Werbebilder von Saitek angezeigt. Diese Bilder können aber ausgetauscht werden, sodass das kleine Panel fast schon wie ein kleiner elektronischer Bilderrahmen funktioniert. Wer Strom sparen möchte, kann das Display durch Drücken einer beliebigen Taste am Panel auch ausschalten. Dies funktioniert aber nur, wenn der FSX geschlossen ist, da sonst alle Tasten eine Funktion besitzen.

Ist der Flugsimulator einmal gestartet, erweckt die Instrumentenanzeige zum Leben. Rechts neben der Buttonleiste erscheint eine Liste mit den Funktionen der jeweiligen Knöpfe und eines der sechs Primärinstrumente wird standardmäßig angezeigt.
Mit den auf/ab-Knöpfen unten mittig kann der Pilot zwischen den einzelnen Primärinstrumenten durchschalten. Die beiden Drehknöpfe bedienen den Heading Bug der Kompassrose und den QNH des Altimeters und funktionieren auch, wenn das jeweilige Instrument im Saitek Display gerade nicht angezeigt wird.
Die Knopfleiste an der linken Seite soll Shortcuts zu wichtigen Fenstern wie Radio und GPS zur Verfügung stellen. Leider funktioniert das nicht immer zuverlässig.
Zum Einen scheitert das Shortcutsystem an der Freiheit der Programmierer, die nämlich nicht immer das GPS ihrer Maschine auf den gleichen Shortcut legen. So kann man sich vor allem bei Add-on-Flugzeugen nicht immer darauf verlassen, dass der als GPS beschriftete Knopf auch wirklich das GPS öffnet.


An dieser Thematik können Saiteks Programmierer nicht wirklich etwas ändern - allerdings hätten sie, um alles richtig zu machen, ihre Software umfangreich anpassen können. Da in jeder Panelkonfigurationsdatei eines Flugzeuges auch Bezeichnungen für alle Shortcuts niedergelegt werden, wäre es technisch umsetzbar gewesen, diese Titel auszulesen und somit neben jeden Button den richtigen Titel dynamisch anzeigen zu lassen.
Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, möchte ich erneut die Thematik „programmierbare Tasten“ anschneiden, die bereits beim Switch Panel einige Käufer hat zögern lassen.
Auch beim Instrument Panel sind die Tasten nicht programmierbar. Es hätte einige Pluspunkte gegeben, wenn Saitek durch eine entsprechende Software ermöglicht hätte, dass der Pilot die Tasten nach seinen persönlichen Bedürfnissen programmieren und beschriften könnte. Doch was nicht ist, ist nicht, und Saitek hat sich ja bezüglich solcher Themen leider bereits äußerst beratungsresistent gezeigt.

Das zweite Zuverlässigkeitsproblem bei den Shortcut-buttons, welches ich bereits angedeutet hatte, ist eine Fehlanzeige bei manchen Flugzeugen. Hierbei handelt es sich nicht um Add-on Flugzeuge, sondern um das FSX Standardaufgebot, weshalb der kleine Bug ärgerlich ist. Dieser tritt aber nicht bei jedem Flugzeug auf und unterscheidet sich mit den Cockpits. Will man zum Beispiel in der Mooney vom GPS zurück aufs leere Main Panel wechseln und drückt den entsprechenden Knopf am Instrument Panel, werden sowohl das 2D, als auch das 3D Panel geladen und liegen übereinander. Ein nerviger Bug, der bisher anscheinend noch nicht behoben werden konnte und zumindest mich einige Tasten äußerst ungern benutzen lässt.

Die Anzeige der einzelnen Hauptinstrumente ist eher zweckmäßig und gewinnt nicht wirklich einen Schönheitspreis. Die Gauges selbst scheinen gerade einmal 16 Farben zu kennen und erinnern eher an die Anzeigequalität des FS98. Ebenfalls gibt es keine unterschiedlichen Ausführungen der Anzeigen, um den Spezifikationen einzelner Flugzeuge zu entsprechen. Vor allem beim Airspeed Indikator wäre dies wünschenswert gewesen, da die grünen, gelben und weißen Balken am Indikator die tatsächlichen Spezifikationen des geflogenen Flugzeugtyps nie korrekt wiedergeben und somit überflüssig - ja sogar unnötig verwirrend sind. Auch hier wäre noch mehr Potential für eine bessere Umsetzung gewesen, was nicht ausgeschöpft wurde.
Noch einen letzten Minuspunkt habe ich gefunden: Die Updaterate der Instrumente ist nicht ganz auf dem neuesten Stand der Technik, sondern besitzt im Vergleich zu Hard-/Softwarekomponenten der Konkurrenz eine leicht verzögerte und in relativ großen Intervallen geupdatete Anzeige. Dies ist für das normale Fliegen von GA und Linienmaschinen nicht weiter schlimm, kann aber bei höheren Anforderungen wie zum Beispiel beim Formations- und Kunstflug zum Problem werden.

Add-ons und andere Hardware
Hier kann das Instrument Panel dicke Pluspunkte sammeln: Bis auf dem oben angesprochenen Problem mit den Shortcuts funktioniert das Panel mit anderen Flugzeug-Add-ons einwandfrei und zuverlässig.
Der Test mit den anderen Hardwarekomponenten von Saitek fiel außergewöhnlich positiv aus und übertraf meine Erwartungen. Obwohl zum Teil komplexe Abläufe stattfinden, stören sich die einzelnen Instrumente nie und verbrauchen auch parallel betrieben anscheinend keine nennenswerten Arbeitsspeicher und Prozessorleistung. Mit meinem System aus einem 3.3 GHz Q6700 Quad Core, 4 MB RAM und einer GeForce 8800GTS Grafikkarte habe ich bei angeschlossenem Saitek Yoke und Throttle, Pedalen, Multi-, Radio-, Switch und Instrument Panel keine Performanceverluste beobachten können. Dem Heimcockpit von Saitek steht also rein performancetechnisch nichts mehr im Wege!
Wie das Instrument Panel mit Gamecontrollern der Konkurrenz agiert, wurde nicht getestet.


Ein interessantes Thema wäre hier sicherlich noch der parallele Betrieb von sechs Instrument Panels, um alle Primärinstrumente anzeigen zu können. Da uns aber lediglich ein Testartikel zur Verfügung gestellt wurde, konnte ich diesen Test nicht durchführen und wäre über Erfahrungsberichte unserer Leser in den Kommentaren erfreut!

Fazit
Wieder einmal hat Saitek mit einem seiner Produkte ein komplexes Thema und einen noch komplexeren Fragenkatalog aufgewühlt. Deshalb möchte ich in meiner Zusammenfassung auf drei Punkte - der Umsetzung, der Preispolitik und der Outcome-Thematik - eingehen.

Bezüglich der Umsetzung behält Saitek seine Linie. Die Firma verkauft funktionierende Produkte, die selten Fehler aufweisen, bei denen aber meist das Potential der Produkte nicht voll ausgeschöpft wurde. Auch hier spiegelt sich dieses Philosophiemanko wieder, indem zwar eine Shortcut-Buttonleiste eingebunden wurde, diese allerdings statisch und somit nicht ganz kompatibel mit dem dynamischen Flugsimulator X ist. Die Thematik der fehlenden „custom gauges“ für Flugzeugtypen schneidet die gleiche Thematik an. Im gleichen Atemzug möchte ich aber an die einwandfreie Umsetzung der Hardware erinnern, bei der wir mit anderen Herstellern schon zur Genüge Probleme hatten!
Den Preis des Instrument Panels erachte ich für durchaus angemessen. Es ist immer wieder toll zu beobachten, dass der Schritt zum eigenen Cockpit finanziell immer leichter wird, da nicht nur die Technik immer ausgereifter und somit günstiger zu produzieren wird, sondern sich auch so langsam ein Markt für die Flugsimulationshardware gründet, der sich immer mehr in Richtung Oligopol (viele Nachfrager und einige, aber nicht viele Firmen: Hoher Konkurrenzkampf) entwickelt. Das Instrument Panel hat bisher noch kein direktes Konkurrenzprodukt auf dem Markt: Dies kann mehrere Gründe haben, ich sehe aber vor allem einen Hauptgrund, mit welchem ich zu meinem letzten Punkt, dem Outcome kommen möchte.
Wozu benötigt ein FS-Pilot ein Display, in dem ein einziges Instrument angezeigt wird? Jeder halbwegs involvierte FS-Pilot weiß, dass es unter den sechs Primärinstrumenten kein „wichtiges und unwichtiges“ Instrument gibt. Alle sechs ergänzen sich, erklären sich gegenseitig und sind untrennbar miteinander verknüpft. Im Flug zwischen den einzelnen Instrumenten umzuschalten ist also weder realistisch, noch in irgendeiner Art und Weise sinnvoll.
Vernünftig wäre also nur die Option, sechs dieser Displays zu kaufen und sie sich nebeneinander auf den Yoke zu schrauben. Für sechs der Panels gibt man also zwischen 600 und 900 Euro aus. Wenn man diese digitale Version mit den analogen Anzeigeinstrumenten manch anderer Hardwarehersteller vergleicht, liegt Saitek natürlich preislich noch weit darunter! Allerdings sind die Saitek Panels nicht wirklich auf einen multiplen Einsatz ausgelegt. Immerhin zahlt man Unmengen für die ganzen Knöpfe und Drehknöpfe und deren Softwareumsetzung, die in sechsfacher Ausführung (vor allem durch die fehlende Möglichkeit des Programmierens) nun wirklich keine Funktion haben. Ein direkter Konkurrent ist hier VR Insight mit seinem Pro Pit Panel, welches, (für einen Bruchteil des Preises), alle sechs Primäranzeigen in einem Panel vereinigt und sich hierbei auf das Wesentliche beschränkt.
Ob die Hardware von VR Insight allerdings überhaupt hält, was sie verspricht, kann ich zur Stunde noch nicht sagen.

Um also zu einem Schluss zu kommen, stellte es sich für mich als ausgesprochen kompliziert heraus, eine wirkliche, lückenfüllende Funktion eines einzelnen Instrument Panels herauszufiltern und es somit einer bestimmten FS-Piloten Gruppe empfehlen zu können. Wer aber für sich entschieden hat, dass ihm/ihr solch ein Panel noch genau in der Hardwareausstattung fehlt, der sollte getrost zugreifen und wird nicht enttäuscht werden - das Panel hat eine gute Qualität.

 

Sabine Schubert für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 10.10.2009 | Counter: 4288 Besucher


Kommentare
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