Review: Freeware Auster Autocrat
Freewarereview: Auster J1 Autocrat
Heute ist gerade erst der 2. Dezember und es ist noch eine lange Zeit bis Weihnachten. Um aber diese Wartezeit sinnvoll zu nutzen, wie wäre es da mit einem schönen kleinen Flieger für den Simulator, für den man einmal nichts bezahlen muss? Das gesparte Geld kann ja dann immer noch in Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner investiert werden. ;)
Es ist nicht lange her, dass der bekannte Freewaredesigner Dave Garwood sein neuestes Projekt veröffentlicht hat. Er hat den dreisitzigen Hochdecker „Autocrat J1“ der britischen Firma Auster für den FSX umgesetzt.
Das über 30 Megabyte große Paket kann man hier downloaden. Nachdem man die in der ZIP-File enthaltenen Ordner in das FSX-Hauptverzeichnis kopiert hat, kann die Maschine auch schon in 3 Bemalungen im Simulator bestaunt werden. Ich habe mir auch noch gleich das Paintkit von hier herunter geladen, aber die Vorfreude auf die neue Maschine siegte einmal wieder und so konnte ich es nicht erwarten, auf den „Flug starten“ Knopf zu klicken, auch wenn ich das knapp 20 Seiten starke Handbuch in PDF-Form noch nicht gelesen hatte. Es befindet sich, nebenbei gesagt, im Aircraft-Ordner und ist für Freeware ausserordentlich komplex. Man findet sogar Grafiken vom Öl- und Treibstoffsystem.

Ich lade jetzt meine J-1 und sehe sie nach kurzer Zeit mit abgestelltem Motor und „Tie downs“ vor dem Hangar im warmen Australien stehen, da das winterlich matschige Wetter in Europa einfach nicht das richtige für einen perfekt restaurierten Oldtimer wie meine Auster ist. Beide Türen öffnen sich über die üblichen Kommandos, das Anziehen der Parkbremse lässt das Ground Equipment erscheinen und den Piloten aus dem Cockpit verschwinden. Wer genau hinsieht, kann aber noch seinen Schatten entdecken. Die Pilotenfigur ist übringens von der Standard Maule entliehen.

Die Auster wurde gut modelliert, Staurohre, Fahrwerk, Flächenstreben etc. wurden sogar mit feinen Details umgesetzt. Eine modellierte Rippenstruktur der Tragfläche rundet das Bild ab.


Die Texturen sind von ausreichend guter Schärfe, jedoch einfach gehalten. An einigen Stellen finden wir Bump-Maps zur Darstellung von Nieten oder Schrauben, jedoch sollte man auf der Haut eines stoffbespannten Fliegers nicht zu viele davon suchen. Mit Dreck und Schattierungen wurde auf den ersten Blick gespart, erst wenn man näher hinsieht, entdeckt man liebevoll ausgearbeitete Teile, wie die Tragflächenstreben, die mir besonders gefallen.

So, nun setze ich mich in das einfache Cockpit der Autocrat. Wenn es auch nicht sehr geräumig ist, so bietet es doch neben Pilot und Copilot noch einem Passagier Platz, die mittig hinter beiden sitzt. Das Panel ist für damalige Verhältnisse gut bestückt – und was uns heute freut: Mit dreidimensional modellierten Anzeigen! Die bewegen sich flüssig und sind gestochen scharf. Allgemein sind alle Bedienelemente (von denen es nicht viele gibt) schön modelliert und animiert. Besonders fallen hier die Lederschlaufen oben an den Türrahmen auf, die sich dynamisch mit den Flugbewegungen hin und her bewegen.

Die Texturierung ruft gemischte Gefühle hervor. Viele Teile sind sehr schön und wie die Referenztabelle an der Steuerbord-Wurzelrippe gestochen scharf und gut lesbar, allerdings findet man auch einige wenige "langweilige" einfarbige Teile, die das Gesamtbild glücklicherweise aber nur wenig trüben.
Je nach Lichteinfall kommt die raue Struktur des Instrumentenbretts sehr gut zur Geltung. Der komplizierte Mechanismus, die die Ruderkräfte von Steuerknüppel und Pedalen an die Ruder überträgt, ist wunderbar animiert. Man findet noch weitere kleine Gimmicks, wie den Anschnallgurt, der bei angezogener Parkbremse (und ausgestiegenen Piloten) auf dem Sitz liegt und sonst verschwindet, also um den „virtuellen Bauch“ liegt.
Eines der drei Flugzeuge hat ein noch einfacheres Cockpit ohne Beleuchtung, Batterie und Funkgerät.
Insgesamt versprüht das Cockpit historisches Flair und kann gefallen.


Mittlerweile bin ich ordnungsgemäß angeschnallt, löse die Parkbremse und bewege den Knüppel und die Pedale. Der Knüppel rechts von mir bewegt sich synchron. Mag die Auster auch von außen an eine Piper erinnern, so ist das Side-by-Side Cockpit gewöhnungsbedürftig. So muss ich mich auch weit nach rechts lehnen, um an den Batterieschalter zu kommen. Ein Druck auf den Starterknopf neben dem riesigen Schubhebel erweckt den Motor zum Leben. Das eigene Soundset der Autocrat gefällt sehr gut, der Vierzylinder Reihenmotor hustet erst einige Fehlzündungen und Explosionen, bevor er blubbernd rund läuft. Beim Rollen tut sie sich leicht und nimmt als Taildragger sehr enge Kurven. Die Sicht nach vorn ist noch ausreichend. Startet man „clean,“ nimmt sie nach kurzer Strecke den Sporn hoch und will in die Luft, der Pilot muss kaum etwas tun. Setzt man allerdings die Landeklappen auf die erste Stufe, so ist die J1 eine wahre STOL Maschine und gerade richtig als Buschflugzeug. Dann hebt sie das Heck kaum, sondern steigt direkt mit geringster Geschwindigkeit fast senkrecht.

In der Luft verhält sie sich normal und nimmt die Kurven wie die bereits zitierte Piper Cub. Die Stallspeeds stimmen mit denen im Kniebrett überein. Dort befindet sich eine Checkliste für die Autocrat.
Versucht man sich an einem Looping und bleibt zu lange in Rückenlage, „verdurstet“ der Motor und geht aus.
Öffnet man im Flug die Seitenfenster, hört man die Luft, die ins Cockpit rauscht. (Das funktioniert komischerweise nur mit dem Acceleration-Pack) Allerdings sollte man nicht versuchen, die ganze Tür zu öffnen, sonst wird man von einer etwas undeutlichen Stimme auf diesen Missstand aufmerksam gemacht. Außerdem sollte man sich nicht von der Tankanzeige auf dem Instrumentenbrett irritieren lassen, weil diese aussieht wie ein Kompass.
Und wo wir gerade bei guten Ratschlägen sind: Nachtflüge sind auch nicht das Richtige für die Autocrat, da sie zwar Navigationslichter, aber keine Cockpitbeleuchtung hat.
Den Landeanflug kann man dank der wirksamen dreistufigen Landeklappen ruhig schnell und hoch einleiten. Stallen tut sie erst bei geringster Geschwindigkeit und ist somit eine optimale Basis, um Spornradlandungen zu üben, bevor man auf Payware, wie beispielsweise A2A's Piper Cub umsteigt. Es sie denn man möchte ja nicht gleich nach dem Erstflug den Mechaniker bezahlen. ;-)

Ich bin nun wieder vor meinen Hangar in YPEC gerollt und habe den Motor durch Herausziehen des Gemischreglers „sterben lassen.“ Ich steige mit dem Gefühl aus, die Auster Autocrat ohne Einschränkung jedem „Low and Slow“ Fan weiter empfehlen zu können. Aber nicht nur das, mit der kostenlosen J-1 hat man die perfekte Basis zum Buschfliegen, Szenerie erkunden oder um Spornradfliegerei zu üben. Mit dem einfachen Paintkit habe ich meine ersten Erfahrungen im Bemalen von Flugzeugen gemacht. Und ein weiterer, sehr wichtiger Punkt, den ich mir bis zum Ende aufgehoben habe: Die Auster J1 ist vollkommen im DX-10 Modus funktionsfähig!
So, es ist noch genug Sprit im Tank, also, wer von euch will den Pilotensitz warm halten?
Einfach hier klicken: Classicbritishfiles.com
Das Paintkit gibt es hier: cbfsim.net
Maximilian Heidemann für flugsimulation.com | Druckversion | Veröffentlicht am 02.12.2009 | Counter: 2901 Besucher
| So eine schöne Review! Sehr gut, vielen Dank! Viel zu selten nimmt sich jemand Zeit für Freeware! |
| Wir haben aufjeden Fall noch genug für den FS9 in petto bis Weihnachten |
| es warten noch 22 Türchen, da wird wohl auch der FS9 User noch berücksichtigt. Das scheint ja zum reflexhaften Drang zu werden, wenn mal etwas nur für den FSX zu sein, sofort um Hilfe zu schreien :-( |
| Und was ist mit den FS9er? Schade schade ... |